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Impuls Vortrag

WEB Die Additive Fertigung als Schlüsseltechnologie für eine ressourceneffiziente Bauwirtschaft

Donnerstag (14.05.2020)
14:00 - 14:30 Uhr Raum 1
Bestandteil von:


Die Additive Fertigung hat das Potenzial, eine auf die individuellen Bedürfnisse des Bauwesens zugeschnittene digitale Fabrikationstechnologie zu werden. Durch die integrale Abstimmung von Strukturdesign, Material und Fertigungsprozess können zukünftig ressourceneffiziente großformatige Bauteile gedruckt werden, die gleichzeitig leicht und stabil sind. Neben dem effizienten Einsatz von Ressourcen kann die Additive Fertigung zu einer gesteigerten Produktivität im der Bauwirtschaft und der Schaffung neuer qualifizierter Facharbeitsprofile beitragen.

Heutige Bauprozesse sind geprägt von traditionellen, überwiegend handwerklichen Bautechniken wie dem Schalungsbau beim Betonbau oder individualisierten manuellen Anpassungen von Halbzeugen beim Stahl- und Holzbau. Die tradierten Bautechniken begünstigen einfache Bauteilformen und eine ineffiziente Materialausnutzung. Vor dem Hintergrund des anhaltend steigenden Ressourcenbedarfs im Bauwesen, trägt dies erheblich zu den globalen CO2-Emissionen bei. Bei der Additiven Fertigung erfolgt der Aufbau von Bauteilen allein durch den digital gesteuerten schichtenweisen Werkstoffauftrag, ohne zusätzlichen Formenbau oder weiterverarbeitende Umformprozesse. Die wesentlichen Unterschiede des Bauwesens im Vergleich zu anderen Industriebereichen sind der große Maßstab und der hohe Grad der Individualisierung der Bauteile. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft neu eingerichtete TRR 277 der beiden Technischen Universitäten Braunschweig und München hat zum Ziel, die Additive Fertigung in einem interdisziplinären, standortübergreifenden Forschungsvorhaben als neuartige digitale Fertigungstechnologie grundlegend für das Bauwesen zu erforschen.

Im Vortrag werden das Forschungsprogramm des TRR 277 sowie erste wegweisende wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt. Außerdem werden erste Konzepte für baupraktische Anwendungen aufgezeigt. Im Zentrum der Forschung stehen Untersuchungen zu neuartigen werkstoffübergreifenden Material-Verfahrenskombinationen. Hierbei verfolgt der TRR 277 den für das Bauwesen neuen integrativen Forschungsansatz, Strukturdesign, Materialverhalten und Fertigungsprozesse als untrennbare Einheiten zu sehen. Entsprechend sind die einzelnen Forschungsvorhaben hochgradig interdisziplinär mit Forscherinnen und Forschern aus dem Bauwesen und dem Maschinenbau besetzt. Zur Integration additiver Fertigungsprozesse in die Baupraxis werden zudem die Schnittstellen zu modellbasierten Planungsprozessen und zukünftig digitalisierten Baustellen erforscht. Der TRR 277 will dazu beitragen, die Additive Fertigung zu einer Schlüsseltechnologie für die Digitalisierung der Bauwirtschaft zu entwickeln, mit einer gesteigerten Produktivität und einem effizienten Einsatz von Ressourcen.

Sprecher/Referent:
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Harald Kloft
Technische Universität Braunschweig